68iger erfinden das Altern neu

von Elisabeth Michel-Alder

Das Vorbild der Eltern taugt nicht mehr

Die 68iger - gemeint sind Personen der Jahrgänge vielleicht zwischen 1943 und 1958 sowie zugewandte Orte - wechseln ins Rentenalter. Schon vor fast 50 Jahren haben viele dieser Kohorte versucht, traditionelle Institutionen und Vorstellungen von Erziehung und Universitäten, Ehe und Familie, Arbeitswelt und Politik, Konsum, Kunst und Wohnen neu zu denken und ein bisschen zu revolutionieren.

Sie haben trainiert, sich die Welt stets auch anders vorzustellen als sie sie vorfanden. Diese Phantasie haben sie heute bitter nötig in ihrer sechsten, siebten und achten Lebensdekade, denn sie sind zehn Jahre jünger als ihre Eltern es beim Eintritt ins Rentenalter waren und haben als "Durchschnittsmann" noch gut 15 Jahre und als "Durchschnittsfrau" weitere fast 20 Jahre vor sich. Wie wandelt man diese Zeitspanne in erfülltes, gesellschaftlich sinnvolles Leben?

Bereits etabliert ist die Unterscheidung in junges und altes Alter. Erst jenseits von 80 wird der Lehnstuhl nachhaltig attraktiv, vorher ist Mitgestalten angesagt. Man bleibt erwerbstätig: Thomas Held zum Beispiel hat nach der Pensionierung bei "Avenir Suisse" nahtlos in die Projektleitung des Musikzentrums Rheinau gewechselt. Oder man wird gemeinnützig tätig: Franz Marty als Präsident der "Berghilfe" findet für all seine Projekte kompetente Führungskräfte im Rentenalter. Monika Stocker hat zusammen mit Freundinnen die Grossmütter-Revolution ausgerufen. Grauhaarige Paare überlassen ihre Einfamilienhäuser in der Agglomeration jungen Familien und bauen neuartige Gemeinschaftshäuser im selben Dorf.

Wir können uns in diesen Jahren auf viele schöne Überraschungen gefasst machen.

 

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