Erfahrung bitte auf den Prüfstand!

von Elisabeth Michel-Alder

Genaue Beobachtungen flotter Automobilisten belegen, dass langjährige Praktiker:innen die Qualität ihres Fahrens im Durchschnitt massiv überschätzen; davon war in den Medien ausführlich die Rede. Nur wer in eine Kollision verwickelt wird, weil andere nicht elegant genug auf die Herausforderung reagierten, muss sein angenehmes Selbstbild korrigieren.

Die schlechte Nachricht ist, dass sich die Verwechslung zwischen Erfahrung und Fachkompetenz nicht auf Verkehrsteilnehmende beschränkt. Überall, auch im Arbeitsalltag, grassiert der Dunning-Kruger-Effekt. Bewährte Problemlösungen rutschen mit der Dynamik veränderter Bedingungen in die Kategorie "mässig tauglich". Wer selbstbewusst auf seinen Erfahrungsschatz verweist, tut gut daran, wieder mal kritisches Feedback zu seiner Praxis einzuholen, mit Anfängeraugen über die Bücher zu gehen oder im Internet zu stöbern und den aktuellen "State of the Art" zu erkunden. Sie/er kann sich auch durch Adam Grants Buch "Think Again" inspirieren lassen. Auf höheren Hierarchieebenen, so die Forschung, ist die Verwechslung zwischen Erfahrung und Fachkompetenz übrigens weiter verbreitet als im Fussvolk.

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Kommentar von René Hauswirth |

Auch Silberfüchse müssen selbstverständlich die "Dynamik veränderter Bedingungen" (meist technischer Art) zur Kenntnis nehmen. Der Wert ihrer Erfahrungen liegt dafür im Bereich der kaum veränderlichen menschlichen Verhaltensweisen.

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