Bogenkarrieren

von Elisabeth Michel-Alder

Berufsweg durch Wellentäler statt ständig bergauf

Bruno Merk ist ein begabter Ingenieur; zügig ist er im renommierten Planungsbüro in stets anspruchsvollere Projektleitungen hineingewachsen. Noch nicht 40, wird er in die Abteilungsführung berufen - ein respektierter und beliebter Chef, der sich sowohl für die Auftraggeber wie für die Mitarbeitenden engagiert. Mitte 50 bittet er aus heiterem Himmel den Verwaltungsrat um die Rückversetzung ins Glied und Befreiung von jeglicher Führungs- und Aquisitionsverantwortung. Er wünscht eine berufliche Phase mit ausschliesslicher Konzentration auf fachliche Expertise. Ohne Reduktion des 100%-Pensums, mindestens mal für ein paar Jahre.

Bruno Merk ist Architekt seiner eigenen Bogenkarriere, wie sie zum Beispiel beim Migros-Genossenschafts-Bund gefördert wird. Da kann man zeitlich kürzertreten, aus Führungskarrieren in eine Fachlaufbahn wechseln, ein anderes Aufgabenportfolio aushandeln... und nimmt dabei vielleicht Lohneinbussen (und Prestigeverluste) in Kauf. Prima Konzept. Erweitert das Spektrum von Wahlmöglichkeiten für Reifere und ist zum Kopieren empfohlen.

Kaum in Betracht kommen Bogenkarrieren für gering Besoldete mit wenig finanziellem Spielraum, die auch ihre Pensionskasse zu füttern haben. Nicht wenigen Firmen fehlen (noch) Flexibilität und Phantasie, um für Ältere neue Jobs zu zimmern. Und die grosse Zahl der gesunden ü50 fühlt sich so voll im Saft, dass Ihnen die Idee, kürzer zu treten, gar nicht in den Sinn kommt.

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