Arbeitsleid und Schaffensfreud

von Elisabeth Michel-Alder

Vorzeitige Pensionierung

Per Broschüre und Zeitungswerbung fragt mich ein freundliches Unternehmen: Pensionierung mit 62 ? Kann ich mir das leisten ? Und lädt mich zum Finanz-Check ein. Dabei kümmert mich der Stand des steuerbaren und des Zweitsäulen- Vermögens weit weniger als die hintergründige Annahme, dass vorzeitiges Ausscheiden aus dem Erwerbsleben eine tolle Sache sei. Befreiung von Arbeitsleid, die man sich leisten sollte? Klingt für mich nach Rückgriff um mindestens 100 Jahre. Heute stehen positive Vorstellungen – und Forderungen – auf der Traktandenliste. Lohnarbeit hat auf allen Stufen mit Integration in die Gesellschaft, mit Freude am Mitgestalten auch im Kleinen, mit persönlicher Bestätigung, Aktualisierung von Talenten und selbstverständlich mit materieller Existenzsicherung zu tun. Schlecht geht es Arbeitslosen, nicht Arbeithabenden. Gut zwei Drittel der Erwerbstätigen möchten gern über 65 hinaus ausserhäuslich arbeiten. Sind das alles Masochisten?

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