Vorhanden, aber übersehen

von Elisabeth Michel-Alder

Fachkräfte-Reservoir ü55

Demografie ist ein risikoarmes Geschäft. Die bereits geborenen Kinder werden mit berechenbar grosser Wahrscheinlichkeit erwachsen und die durchschnittliche Verlängerung der Lebensspanne lässt sich gut voraussagen. Unwägbar ist – mit oder ohne politische Brecheisen - der Umfang der Zuwanderung. Dass jüngere Jahrgänge zu uns arbeiten kommen, ist allerdings hoch wahrscheinlich.

Seit rund zwanzig Jahren laufen Forschungsprojekte und werden Rezept-Bücher zum Umgang mit älteren Menschen am Arbeitsplatz produziert. Sie finden den Weg auf den Tisch des Managements praktisch kaum. Gelegentlich zuckt ein Aufschrei von Mittfünfzigern, die trotz Glanzzeugnissen keinen Job mehr finden, über die Medienlandschaft.

Arbeitgeber beklagen einen Fachkräftemangel, doch – ausser in den Pflegeberufen – scheint das eher präventiv gemeint. Bisher, also ohne Einwanderungsbarrieren, konnte man leicht jenseits der Landesgrenzen Talente rekrutieren. Stehen uns da nach dem 9. Februar Änderungen bevor?

Die zuständigen Behörden verweisen im Zusammenhang mit der Lücke bei gut Qualifizierten gern auf das ungenutzte Arbeitspotential der Frauen und der Älteren. Die ü55 warten bisher vergeblich auf Nachfrage. Man lädt sie kaum zum Vorstellungsgespräch. Ihnen  stehen (noch?) keine „Brückenangebote“, Lehrgänge, Case Management-Prozesse und spezialisierte Laufbahnberatungen  für Erfolg versprechendes Kompetenz-Fitnesstraining zur Verfügung.

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