"Wir altern so, wie wir es von uns erwarten."

von Elisabeth Michel-Alder

Das Titelzitat hat die deutsche Alterspsychologin Ursula Staudinger als Ergebnis langjähriger Forschung formuliert. Wer irgendwann jenseits von 50 auf der Strasse den Namen des Nachbarn vergessen hat, bergauf ins Schnaufen gerät oder die neue Mailadresse auch im dritten Anlauf nicht aufs Tablet zaubern kann, kommt in Versuchung, sich den Sachverhalt nicht mit der Föhnlage, der schlaflose Nacht oder tiefsitzendem Desinteresse, sondern mit fortschreitender Alterung zu erklären. Er oder sie haben ein Leitbild im Kopf, das Personen in der sechsten Lebensdekade leistungsmässig auf dem absteigenden Ast platziert. Damit invalidisieren sich Menschen unnötig selbst, denn Alterungsprozesse laufen, wie die Wissenschaft uns aktuell lehrt, anders, später und diverser. Auch ganz ohne Anti-Ageing-Medikation.

Wer nicht in die mentale Falle vorzeitiger Selbstvergreisung geraten will, kann sich intensiv mit wissenschaftlich untermauerten Fakten oder Beispielen engagierter Älterer wie Mick Jagger befassen. Oder sich um eine junge Familie kümmern. Glück hat, wer mit wichtigen Bezugspersonen aufwachsen konnte, die lange lebendig blieben und im hohen Alter neue Talente entwickelten. Sie vermittelten gratis mentale Power.

Zurück

Rssfeed